Christian Hacker über die Audi Akademie in Neckarsulm

Seit Januar 2022 leitet Christian Hacker die Audi Akademie in Neckarsulm. Im Interview erzählt er, wie Audi seine Nachwuchskräfte fit für die Transformation macht und welche Rolle die Weiterbildung dabei spielt.


Herr Hacker, Sie haben nahezu Ihr gesamtes Berufsleben im Bereich Lackiererei verbracht. Warum jetzt der Wechsel in die Aus- und Weiterbildung?

Hacker: Von unseren Mitarbeitenden erwarten wir, offen für Veränderungen zu sein ‒ das schließt mich selbstverständlich mit ein. Nach 27 Jahren in der Lackiererei will ich meine dabei gemachten Erfahrungen in der Aus- und Weiterbildung einbringen. Fertigung und Lackiererei sind Kernfelder der Transformation. Digitale Vernetzung oder Künstliche Intelligenz sind hier längst angekommen ‒ und auch für die Aus- und Weiterbildung zukunftsweisend. Außerdem war es nach fünf Jahren in Wolfsburg Zeit, in meine zweite Heimat nach Neckarsulm zurückzukehren. Hier habe ich 1994 als Trainee angefangen. Es ist fantastisch zu sehen, wie sich der Standort in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten weiterentwickelt hat.


Wie macht Audi seine Nachwuchskräfte in der Ausbildung und im dualen Studium für den Wandel in der Automobilbranche fit?

Hacker: Unsere Nachwuchskräfte gestalten die Zukunft der Mobilität mit ‒ Elektroautos, autonomes Fahren oder Digitalisierung. Der Fokus auf berufliche Zukunftsfelder beginnt schon in der Ausbildung. Mittlerweile haben beispielsweise 25 Prozent der Ausbildungsberufe bei Audi eine Digitalisierungsausrichtung. Aber die jungen Menschen erhalten nicht nur die fachlichen Schlüsselkompetenzen. Wir vermitteln auch grundlegende Skills: Teamwork, Selbstbewusstsein, eigenständiges Arbeiten. Zudem sind wir technisch sehr gut ausgestattet. Unsere Auszubildenden arbeiten zum Beispiel mit 3-D-Druckern und Augmented Reality und erhalten alle ein Tablet oder einen Laptop, um mobil lernen zu können. Erst kürzlich hat die IHK Heilbronn-Franken die hohe Ausbildungsqualität bei Audi bescheinigt und uns erneut mit dem Dualis-Siegel ausgezeichnet.


Was erwartet Audi von seinen Azubis?

Hacker: Wir suchen junge Menschen, die zu Audi passen. Mit denen wir gemeinsam auf Dauer echte Veränderung gestalten können. Wichtig sind uns vor allem Eigenmotivation und Lernbereitschaft, sie sind die Grundlage für alles Weitere. Im Bewerbungsverfahren beleuchten wir viele unterschiedliche Aspekte, etwa das Praktikum, das Bewerber_innen im Zuge des Auswahlverfahrens im Unternehmen machen, besondere Kenntnisse oder auch ehrenamtliches Engagement. Noten spielen auch eine Rolle, sind aber nicht allein ausschlaggebend. Grundsätzlich kann sich jede und jeder, die oder der einen Schulabschluss hat, motiviert und lernwillig ist, bei uns bewerben. Übrigens haben alle Auszubildenden nach bestandener Abschlussprüfung und alle dual Studierenden bei Audi ‒ fachliche und persönliche Eignung vorausgesetzt ‒ einen festen Arbeitsvertrag in der Tasche.


Auch in der Weiterbildung ist Lernbereitschaft wichtig. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich die gesamte Branche in einem Transformationsprozess befindet. IT-Expertise gewinnt zum Beispiel an Bedeutung. Wie hilft Audi Mitarbeitenden, sie aufzubauen?

Hacker: Zum einen haben wir das Programm „Digital Shift – in Produktion und Logistik“ ins Leben gerufen. IT-affine Audianer_innen aus der Fertigung können sich beispielsweise für die Softwareentwicklung oder IT-Infrastruktur qualifizieren. Die Weiterbildung dauert ‒ je nach Vorkenntnissen ‒ sechs bis 18 Monate. Das Programm ist ein voller Erfolg, sodass wir es mit weiteren Mitarbeitenden fortführen werden. Lebenslanges Lernen ist heute wichtiger denn je. Daher hat Audi für Neckarsulm und Ingolstadt ein Transformationsbudget aufgesetzt. Darüber werden Qualifizierungen für Zukunftsfelder wie Elektromobilität oder Digitalisierung finanziert. Der Aufwand, den wir betreiben, um unsere Mitarbeitenden weiterzubilden, ist so groß wie noch nie. Wir heben damit zusätzliche Potenziale — und das Kompetenzniveau der Audianer_innen auf ein noch höheres Level.


In Neckarsulm wird seit 2020 der Audi e-tron GT quattro gebaut. Für die Elektromobilität benötigen Mitarbeitende in Produktion und Entwicklung neue Kompetenzen. Wie gelingt die Umstellung?

Hacker: Der Umstieg vom Verbrenner zum Elektroauto ist eine große Herausforderung, in erster Linie aber eine Chance — auch für die Mitarbeitenden in der Fertigung und Entwicklung. Mit den passenden Qualifizierungen stellen sie sich zukunftsfest auf. In der Technischen Entwicklung etwa haben wir damit begonnen, erste Mitarbeitende fit für die Batterieentwicklung zu machen. Demnächst starten weitere Kolleg_innen, um sich das nötige Know-how anzueignen. Das wird uns noch mal einen großen Schub geben. Ein tolles Beispiel für eine bereits gelungene Transformation liefern die Audianer_innen in den Böllinger Höfen. Sie haben sich umfassend weiterqualifiziert, damit sie den e-tron GT quattro und R8 auf einer gemeinsamen Linie fertigen können.


Wichtige Frage zum Schluss: Was empfehlen Sie im Neckarsulmer Betriebsrestaurant?

Hacker: Ich bin eigentlich immer bei der „Internationalen Woche“ in der Kantine, um auf kulinarische Weltreise zu gehen ‒ großes Lob an unsere Gastronomie! Mein Favorit ist aber ‒ obwohl ich kein Schwabe bin ‒ der schwäbische Klassiker: Linsen mit Saitenwürstchen und Spätzle.