Wie die Audi Sport GmbH den Charakter ihrer RS-Modelle prägt

Die RS-Modelle der Audi Sport GmbH sind die dynamische Speerspitze ihrer jeweiligen Baureihe. Sie besitzen einen starken Charakter, der sich aus deutlicher Designdifferenzierung, voller Alltagstauglichkeit, souveräner Top-Performance und einem begeisternden Fahrerlebnis zusammensetzt. Dies entsteht in intensiver Detailarbeit der Designer, Entwicklungs- und Testingenieure und wird auf zahlreichen Erprobungsfahrten rund um die Welt perfektioniert. Hier ein Blick hinter die Kulissen der Entwicklungsarbeit.


Die Nordschleife des Nürburgrings ist die Legende unter den Rennstrecken: 20,832 Kilometer, die zu den herausforderndsten der Welt gehören. Und jeder einzelne Meter zeigt echte Härte: die Kompression in der Fuchsröhre, die Schläge im Karussell oder der Sprung im Pflanzgarten. Mehr als 80 Prozent des Kurses werden mit voller Power gefahren: maximale Belastung im Zeitraffer, jeder Kilometer hier zählt das Vielfache des normalen Straßenbetriebs. 8.000 Kilometer Dauerlauferprobung auf der Nordschleife entsprechen leicht einem ganzen Autoleben. Mit ihren hohen Anforderungen ist die Nordschleife die Referenz für jedes sportliche Auto: Wer hier besteht, der besteht auch auf den Straßen der Welt.


Aber die Nordschleife erzählt einem kundigen Fahrer auch viel über ein Automobil – über dessen Stärken und Schwächen, über präzises Handling für schnelle Zeiten, über leichte Beherrschbarkeit im Grenzbereich und vor allem über solide Qualität selbst unter anspruchsvollsten Bedingungen. Deshalb gehört die Nordschleife zu den Fixsternen im Kosmos der Fahrzeugentwicklung und ‑erprobung der Audi Sport GmbH.

Nordschleifen-Experte im Dienst von Audi Sport: Frank Stippler

Einer der besten Kenner der "Grünen Hölle" ist Frank Stippler. Der 45-Jährige, in Köln geboren, lebt in der Eifel und ist wie kein anderer Rennfahrer mit der Geschichte von Audi Sport verbunden. Zu seinen größten Erfolgen zählen die Siege bei den 24-Stunden-Rennen in Spa (2012) sowie auf dem Nürburgring (2012 und 2019). Schon bei der Erprobung des GT3-Rennwagens Audi R8 LMS, der 2009 debütierte, war Stippler ein Mann der ersten Stunde – neben seinem Können als Pilot brachte er auch sein Knowhow als Ingenieur ein. Seither ist er aus der Entwicklung der Kundensport-Rennwagen, aber auch der sportlichen Straßenmodelle nicht mehr wegzudenken. Das gilt für die RS-Modelle ebenso wie für den Hochleistungssportwagen R8, der zuletzt Anfang 2019 umfangreiche Überarbeitungen erfahren hat – als Coupé, als Spyder und als R8 V10 RWD mit Heckantrieb.


Stipplers jüngster Coup ist ein Rundenrekord auf der Nordschleife, gefahren im Herbst 2019 mit einem RS Q8. Nach 7:42.253 min, notariell beglaubigt, blieb die Uhr stehen – damit hatte der Rennprofi aus Köln die alte Bestzeit für serienmäßige SUV um zwölf Sekunden unterboten. Der Rekord war kein Ziel der Entwicklungsarbeit, ist aber dennoch ein eindeutiger Beleg für die immense Dynamik, die das sportlichste Q-Modell von Audi zu bieten hat.

Oliver Hoffmann: „Die Nordschleife ist der ultimative Härtetest“

„In unserer Entwicklungs- und Abstimmungsarbeit steht die Nordschleife für den ultimativen Härtetest", erklärt Oliver Hoffmann, Geschäftsführer der Audi Sport GmbH. „Mit jedem neuen RS-Modell fahren wir hier mindestens 8.000 Kilometer. Die Strecke gibt uns detaillierte Auskünfte über die Haltbarkeit der Bauteile unter extremen Bedingungen und über die Eigenschaften des Fahrwerks. Beim RS Q8 standen vor allem das Setup von Federn, Dämpfern und ESP sowie die Ausprägung des Charakters von Wankstabilisierung und Sportdifferenzial im Fokus.“




Was zeichnet das Wesen des schnellsten SUV von Audi aus? „Der RS Q8 verbindet überragende Performance und außergewöhnliches Design mit der kraftvollen Vielseitigkeit eines SUV und unserem umfassenden Qualitätsanspruch", erklärt Hoffmann. „RS-Fahrzeuge haben einen einzigartigen und starken Charakter: spontane Höchst­leistung, wo und wann immer spontan gewünscht, aber auch entspannte Souveränität auf langen Strecken.“ Das ist wichtig, denn viele RS-Fahrer nutzen ihr Auto täglich für Geschäftsreisen ebenso wie für den Einkauf und erreichen hohe jährliche Laufleistungen. „In einem RS stecken immer beide: Doktor Jekyll und Mister Hyde. Wichtig ist, dass jeder Kilometer – wie auch immer gefahren – zum genussvollen Erlebnis wird – dank atemberaubendem Design, hochwertiger Anmutung und hervorragender Qualität“, sagt Oliver Hoffmann, der auch die gesamte Technische Entwicklung am Standort Neckarsulm verantwortet.

Zwölf Modelle im Programm: Die RS-Offensive rollt

Die RS-Modelloffensive ist in vollem Gange: die sportliche Tochter der AUDI AG führt bereits zwölf RS-Modelle im Programm: den RS 3 als Sportback und Limousine, den RS 4 Avant, den RS 5 als Coupé und Sportback, den RS 6 Avant, den RS 7 Sportback, den TT RS als Coupé und Roadster, den RS Q3 und den RS Q3 Sportback sowie den RS Q8. Acht dieser Modelle wurden erst 2019 vorgestellt und für die nahe Zukunft hat die Audi Sport GmbH noch viele weitere Ideen im Köcher.


Zukünftige RS-Modelle sollen nun schon relativ kurze Zeit nach Einführung der jeweiligen Grund-Baureihe das Angebot nach oben aufwerten. Das bedeutet, dass ihre Eigenschaften sehr früh definiert werden und ihre Entwicklung parallel zur Arbeit an der jeweiligen Baureihe, auf der sie aufbauen, läuft. Neben dem Design stehen dabei Antriebsstrang und Fahrwerk im Mittelpunkt. Schließlich soll die sportliche DNA, die in jedem Audi steckt, maximal herausgearbeitet werden.


Zeitgemäße Effizienz gehört dabei zu den grundsätzlichen Zielen. Beim RS 6 Avant, RS 7 Sportback und RS Q8 stehen schon heute ein aufwändiges Mild-Hybrid-System auf Basis des 48 Volt-Bordnetzes und die Zylinderabschaltung (COD) des V8-TFSI-Motor bei Teillast auf der Zutatenliste. Natürlich müssen auch diese Funktionen RS-typisch umgesetzt werden. Feinabstimmung ist das Zauberwort auf dem langen Weg der Entwicklung zu einem faszinierenden RS-Modell. „Nur in konsequenter Detailarbeit entwickelt sich ein einzigartiger Charakter. Nur mit viel Erfahrung und einem klaren Gefühl schaffen wir ein stimmiges Gesamtkonzept“, ist sich Oliver Hoffmann sicher.

30-mal um die Welt: das Erprobungsprogramm für den RS Q8 – aber nicht nur für diesen RS

Rund zwei Jahre waren die Testingenieure der Audi Sport GmbH mit dem RS Q8 unterwegs, mit Entwicklungsfahrzeugen und Prototypen spulten sie mehr als 1,2 Millionen Kilometer ab, das ist 30-mal um die Welt. Die Testfahrten führten nach Finnland, Schweden, Frankreich, Italien, Südafrika, China und in die USA. Sie fanden auf Rennstrecken und Fahrbahnen aller Art statt.


Test-Areale wie die Highspeed-Kreisbahn im süditalienischen Nardò dienten dazu, die Belastbarkeit aller Komponenten bei konstant hohem Tempo zu erproben. In Skandinavien boten Eis und Schnee beste Voraussetzungen, dem Fahrwerk und den Regelsystemen den letzten Schliff im Ansprechverhalten zu geben – auf glattem Untergrund führen schon kleine Setup-Änderungen zu deutlich spürbaren Effekten. In Südafrika stellten Hitze und Höhe die Klimaanlage, die Motorkühlung und die Leistungsentfaltung vor besondere Herausforderungen.

Inspiriert vom Rennwagen: das Design der RS-Modelle

Die RS-Modelle bilden die dynamischen Speerspitzen im Modellprogramm von Audi – das zeigt schon ihr besonders markantes Exterieurdesign. Es ist stark vom Motorsport inspiriert und vereint cooles Understatement mit dynamischer Schärfe. Höchstleistung im Motorsport erfordert außergewöhnliche Bauteilgeometrien. Nach dem Prinzip „form follows function“ ist es deshalb nur naheliegend, dass sich der Einsatz von Hochleistungstechnologien aus dem Motorsport auch in der optischen Erscheinung der RS-Modelle widerspiegelt.


Bei vielen RS-Typen orientiert sich der Singleframe in Proportion und Position am Sportwagen R8: Er ist breiter und dabei niedriger platziert als bei den Schwestermodellen, statt Chromelementen dominiert puristisch-sportliches Schwarz. Bei einigen RS-Modellen finden sich zwischen dem Grill und der Motorhaube horizontale Schlitze, die an den ikonischen Audi Sport quattro von 1984 erinnern. Mächtige Lufteinlässe und große elliptische Endrohre sind Sinnbild für die Power der Turbomotoren.


Auch die Karosserie präsentiert sich im exklusiven Look – besonders markant beim Audi RS 6 Avant. Er ist 80 Millimeter breiter als das Grundmodell, seine Kotflügel sind ebenso RS-typisch gezeichnet wie die hinteren Türen, die Seitenwandrahmen, die Frontpartie und die Motorhaube. Unverändert sind lediglich Vordertüren, Dach und Heckklappe. Die Radhäuser des Hochleistungs-Avant beherbergen Räder bis 22 Zoll Durchmesser – beim RS Q8 sind es sogar 23 Zoll.

Werkstatt und Meisterbock: Top-Qualität schon in der Entwicklung

Für jede der vielen exklusiven Lösungen gilt die Audi-Maxime der kompromisslosen Qualität. „Unsere Kunden verlangen die besten Produkte auf dem Markt“, sagt Audi Sport-Geschäftsführer Hoffmann. „Wir haben die besten Spezialisten und Teams, um diese hohen Erwartungen zu erfüllen.“ Eine wichtige Rolle spielen hier während der Entwicklungsarbeit die RS-Werkstätten, in denen die ersten Autos von Hand montiert werden.


Bereits in dieser Phase hat die Qualitätssicherung von Audi großen Einfluss auf das spätere Serienfahrzeug. Die Mitarbeiter bauen die vollständige RS-Karosserie auf hochgenauen Aluminium-Messaufnahmen auf – dem so genannten Meisterbock. Zur Abstimmung aller Flächen, Fugen und Radien im Zehntel-Millimeter-Bereich setzen sie modernste Messmethoden wie Laserscanner ein, die auf der Bauteiloberfläche mehrere Millionen Messpunkte erfassen. Davon profitieren sowohl die Aerodynamik, als auch die Anmutung jedes einzelnen RS.

Vier Standorte: die Produktion der RS-Modelle

An vier Standorten werden RS-Modelle produziert. Im deutschen Stammwerk Ingolstadt laufen der RS 3 Sportback, die RS 3 Limousine, der RS 4 Avant, das RS 5 Coupé und der RS 5 Sportback vom Band. Der Standort Neckarsulm produziert den RS 6 Avant und den RS 7 Sportback. Im ungarischen Werk Győr entstehen der TT RS als Coupé und Roadster, der RS Q3 und der RS Q3 Sportback. Aus dem slowakischen Werk Bratislava kommt der RS Q8. Alle RS-Modelle laufen mit ihren Schwestermodellen über gemeinsame Anlagen. Die Audi-Presswerke liefern die spezifischen Blechteile aus Stahl oder vielfach Aluminium zu, die dann im Karosseriebau montiert werden.


Die Hochzeit – jene Montagestation, in der Fahrwerk und Antrieb mit der Karosserie zusammenkommen – ist vor allem bei den Modellen mit V8-Motor sehr anspruchsvoll. RS-spezifische Teile wie Abgasanlage, Stoßfänger, Heckschürzen und Räder komplettieren die RS-Modelle. In Neckarsulm entstehen an jedem Arbeitstag eine zweistellige Stückzahl RS 6 Avant und RS 7 Sportback. Jeder von ihnen wird auf einer Straßenrunde gecheckt, bevor er zu seinem Kunden kommt.


Ganz in der Nähe des Werks Neckarsulm, wo die Audi Sport GmbH ihren Hauptsitz hat, liegt die Manufaktur "Böllinger Höfe". Hier entstehen die Sport- und Rennwagen der R8-Familie mit einem hohen Anteil Handarbeit – und bald auch der rein elektrisch angetriebene Audi e-tron GT.


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