Das Ampel-Projekt von Audi erweist sich als vielversprechend

Wer kennt das nicht: Man hat Feierabend und möchte schnell nach Hause und ausspannen, doch der Feierabendverkehr meint es wieder einmal gar nicht gut mit einem. Nicht nur folgt eine Rot-Welle auf die nächste, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer scheinen es erneut nicht allzu zu eilig zu haben. Audi könnte da mit ihrem, sich noch in der Testphase befindenden »Ampel-Projekt« etwas Bahnbrechendes gelungen sein.


Es fing 2016 in den USA an


In immer mehr Kontexten stößt man mittlerweile auf ein sogenanntes Telematiksystem. Sei es im Flottenmanagement oder eben im Bereich der Verkehrstechnik. Hier wartet Audi in jüngster Zeit mit einem äußerst vielversprechenden Projekt auf. Die Idee dabei ist recht einfach: Man nehme die Schaltrhythmen von Ampelanlagen, aktuelle Verkehrsdaten sowie die Geschwindigkeitsdaten eines konkreten Fahrzeugs und errechne damit die optimale Geschwindigkeit, die ein Fahrer einhalten muss, um bei jeder Ampelanalage bei Grün durchzukommen. Genau das hat Audi gemacht und die revolutionäre Technik bereits 2016 in den USA getestet. Man verknüpfte dabei die Fahrzeuge via LTE mit den Verkehrsleitzentralen verschiedener Städte und installierte in ihnen ein spezielles Programm, das auf dem Instrumentencluster oder dem Head-up-Display der Autos dem Fahrer anzeigte, ob er bei aktueller Geschwindigkeit die nächste Ampel noch bei Grün durchfahren kann oder ob er umgekehrt ausrollen lassen sollte, bis die nächste Ampel auf Grün schaltet. Dabei wurde ihm ein Countdown bis zur nächsten Grün-Phase angezeigt. Der Fahrer konnte auf diese Weise viel entspannter und vorausschauender fahren; er sparte tatsächlich nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Sprit. Seitdem werden alle für den US-Markt hergestellten Audi A4 und Q7 mit einer entsprechenden Technologie ausgestattet.


Auch hierzulande testet Audi sein Ampel-Projekt unter Hochdruck. Beispielsweise gerade in Hamburg in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Swarco und Here Technologies. Insgesamt wird auf sieben Teststrecken mit 60 Ampeln getestet. Spätestens bis 2020 sollen bereits 1000 Ampel von insgesamt 1700 involviert sein. Was beim Hamburger Testprojekt gegenüber dem USA-Projekt nun neu ist, ist eine Smartphone-App-Version des Systems, die alternativ zum im Fahrzeug installierten Connect-System genutzt werden kann. Dabei werden dem Fahrer die Countdowns für die Ampelphasen einfach auf dem Smartphone angezeigt. Das Connect-System bietet dabei den Vorteil, dass es den Fahrer auch über die optimale Geschwindigkeit informiert, die notwendig ist, um die nächste Ampel auch sicher bei Grün zu passieren. Die App wiederum punktet damit, dass sie Countdowns gleich für mehrere Ampelspuren anzeigen kann, was beim Connect-System noch nicht integriert ist.

Auf dem Weg zum autonomen Fahren


Das Audi-System ist sehr vielversprechend, was zukünftige Verkehrstechnik angeht. Irgendwann, so die Hoffnung, könnte damit auch autonomes Fahren in der Stadt ermöglicht werden. Im Gegensatz zu den USA besteht in Deutschland jedoch das Problem, dass die Verkehrstechnologien in den Städten sehr unterschiedliche sind, da sie sich dezentral entwickelt haben. Dies erschwert die Vernetzung von Verkehrsleitzentralen und Fahrzeugen. Aber auch diese Hürde dürfte freilich früher oder später genommen werden können.


Das aktuelle System bietet auf jeden Fall bereits jetzt, wo es dem Fahrer nur assistiert, große Vorteile, denn es ermöglich ein, schnelleres, entspannteres und kostengünstigeres Fahren. Zudem wird der Schadstoffausstoß reduziert. Bedenken bestehen dagegen noch bezüglich eines möglichen Missbrauchs des Systems durch Fahrer, die etwa, um noch bei Grün durchzukommen, mal noch eben schnell Vollgas geben. Umgekehrt könnten sich Fahrer, die ein solches System nicht haben, verärgert zeigen, wenn sie jemanden vor sich haben, der sehr langsam fährt, nur um bei der nächsten Ampel nicht stehen bleiben zu müssen. Es gibt also noch reichlich Test- und Aushandlungsbedarf.