VW Polo oder Seat Ibizia - Ist der Polo die bessere Wahl?

Auf der Suche nach einem neuen Zweitwagen für den Stadtverkehr und viel Kurzstrecke sind wir auf die Modelle VW Polo und Seat Ibiza gestoßen. Zugegeben der Ibiza ist etwas jünger auf dem Markt, aber dafür auch nochmals günstiger als der Polo. Welches Auto soll also der Nachfolger des aktuellen Zweitwagens werden? Beim Seat Ibiza gibt es so viele schöne technische Spielereien welche man zwar nicht wirklich haben muss, aber es macht halt Freude, wenn man diese hat. Dies soll nun kein direkter Vergleich zwischen Polo und Ibiza werden, sondern ein direkter Eindruck zum aktuell erhältlichen Polo.

Zur Verfügung stand ein kleiner roter 4 Türer mit einem 1,0L Benziner und sagenhaften 65PS. Es handelt sich dabei um einen 3 Zylinder Saugmotor. Selbstverständlich sind auch stärkere Modell verfügbar, aber für den Spaß mit viel Leistung steht ja noch der Audi in der Garage. An dieser Stelle sollte halt auch mal die Vernunft siegen. Zugegeben, das ist nicht unbedingt einfach. Ist doch das „Hauptfamilienauto“ auch schon ein Sieg des Verstanden und nicht der Emotion gewesen. Der aktuelle Zweitwagen für die Stadt und Kurzstrecke ist ein 1,2L Saug-Benziner mit 64PS. Also durchaus vergleichbar und wahrlich auch keine Rakete.

Man könnte selbstverständlich versucht sein zu meinen, dass unter Umständen ja eigentlich auch ein kleines Elektroauto in Frage kommen könnte, oder? Dies möchten wir jedoch aus persönlicher Überzeugung derzeit ohne Diskussion ablehnen. Die Gründe weshalb wir dieser Überzeugung sind, gibt es an anderer Stelle nachzulesen.

Nun also ein paar Eindrücke zum Polo. Von der Verarbeitung her fühlt man sich wie gewohnt einfach wohl. War früher ein Polo noch die kleinere und billigere Variante des Golfs, so ist davon heute nichts mehr zu merken. Vom Raumgefühl ist der aktuelle Polo im Vergleich zum Vorgänger mit Baujahr 2013 sogar gewachsen, obwohl die Außenmaße doch gleichgeblieben sind. Also auch für groß gewachsene Menschen besteht hier keine Gefahr von beklemmenden Gefühlen.

Auch das Interieur und die Grundausstattung sind für den kurzen Alltag durchaus ausreichend. Die Armaturen in gewohntem Design und auch das Multimediasystem, in der kleinen Variante, kann sich sehen lassen. Das große Touch-Display in der Mitte ist gut angeordnet und intuitiv bedienbar. Da braucht man nicht lange zu überlegen. Eher jedoch bei der Anordnung und Funktionalität der Knöpfe am Lenkrad. Ist man dies aus einem Seat oder Audi gewohnt, so muss man beim VW doch etwas umdenken und sich daran gewöhnen. Wobei auch zwischen Seat und Audi hier ungewöhnliche Unterschiede vorliegen. Da verbaut man im Konzern so viele gleiche Teile quer über alle Marken und schafft es dann bei Dingen des täglichen Gebrauchs nicht die Funktionen gleich anzuordnen. Es wäre doch ausreichend, wenn die Optik und Haptik der Tasten auf den Lenkrädern eine andere wäre. Muss man tatsächlich die Funktionen an sich und teilweise sogar andere Funktionen hinterlegen? Es bleibt dahingestellt, dass diese Differenzierung womöglich sogar ganz bewusst gewollt ist. Fährt man mehrere Modelle aus dem Konzern so kann dies jedoch richtig unangenehm sein, wenn man z.B. nur die Lautstärke ändern will, aber man leider gleich den Titel oder Sender wechselt, nur will es bei der anderen Marke auf der anderen Seite des Lenkrads angeordnet ist. Dies passiert uns auch nach mehreren Jahren mit Audi und Seat gemeinsam nach einem Umstieg immer wieder mal. Zurück zum Polo sei noch erwähnt, dass die musikalische Umrahmung auch mit der Standard-Musikanlage um vieles besser geworden ist als noch beim Modell aus dem Jahre 2013. Damals wurden tatsächlich noch die sogenannten „Kaffeefilter“ verbaut.

Der größte Kritikpunkt bei diesem Test war leider der Motor. Selbst wenn man die 64 PS aus dem alten Polo gewohnt ist und ob der genannten Leistung von 65PS auch keine andere Erwartung an den Tag legt, so wird man leider doch sehr enttäuscht. Der kleine 1,0L Motor ist sehr rau und ruppig und von der Geräuschkulisse so gar nicht angenehm. Die Fuhre kommt von unten einfach nicht vom Fleck. Auch ist der kleine 3ender im Innenraum zu spüren. Dies spiegelt sich in minimalen Vibrationen am Lenkrad und Schaltknauf wieder. Man ist sich nicht sicher, ob man tatsächlich einen Benziner fährt oder nicht vielleicht doch ein Diesel unter der Haube steckt. Also Nein, dieser Motor kommt für uns nicht in Frage. Wie gesagt, daran soll es ja nicht scheitern, da noch andere Motorisierungen zur Verfügung stehen. Es ist ohnehin daran zu zweifeln, dass das Zweitauto nochmals einen Motor mit weniger als 100PS bekommt. Derart wenig Leistung zwingt einen immer wieder zu passivem Fahrverhalten und das kann bei so manchen Verkehrsteilnehmern dann schnell mal unangenehm werden. Dann doch lieber etwas mehr aktiv in das Verkehrsgeschehen eingreifen um solchen Kandidaten zügig und großräumig aus dem Weg gehen zu können.

Zum Abschluss leider noch die größte Enttäuschung und Entrüstung überhaupt. Es handelt sich dabei zwar nur um ein relativ kleines Bauteil aus der Kategorie Komfort, aber leider ist dies ein Mangel welcher wirklich nur ein Kopfschütteln zulässt. Seit über 20 Jahren hatten wir Autos mit Mittelarmlehnen und jede hat sich noch in der Höhe verstellen lassen. Auch ist diese Höhenverstellung niemals bei einem unserer Autos kaputt gegangen und nun gibt es diese Funktion einfach nicht mehr. Man kann die Mittelarmlehne zwar längs verstellen, aber eben nicht mehr in der Höhe. Bitte was soll das? Die unterste Position ist nur für Menschen unter 175cm Körpergröße geeignet. Darüber hinaus kann der Arm nicht mehr komfortabel abgelegt werden, ohne dadurch eine schiefe Körperhaltung einzunehmen. Das gibt ergonomisch eine 5, Danke, setzen! Hat man diese Funktion in der Tat wegen 5g und 5 Cent eingespart? Also dazu fällt einem nichts mehr ein. Es ist noch nicht mal gegen Aufpreis eine Höhenverstellung der Mittelarmlehne erhältlich. Leider ist dieser Zustand auch nicht nur beim Polo spezifisch, sondern auch beim getesteten Seat Ibiza, welcher erst vor Kurzem auf den Markt gekommen ist. Warum werden immer die schlechten Eigenschaften in alle Modelle weitergegeben? Der Polo an sich ist wirklich ein gutes Auto und auch zu empfehlen. Die Motorisierung muss sich jeder selbst überlegen, wir empfehlen den kleinen 1,0L Motor definitiv nicht. Und auch wenn uns die Mittelarmlehne furchtbar entrüstet, so bekommt der Polo doch das Prädikat empfehlenswert, vor allem für den Stadtverkehr.

Beachtet unbedingt, dass neue Autos immer noch nur mit Sommerreifen ausgeliefert werden und ihr zu dieser Jahreszeit unbedingt an neue Winterreifen von oponeo.at denken solltet. In diesem Sinne wünschen wir euch stets eine gute Fahrt und stay tuned...