War es richtig von Audi, nicht mehr bei den 24h von Le Mans anzutreten?

Als Audi bekannt gab, Ende 2016 ihr Programm für die 24 Stunden von Le Mans und die WEC aufzugeben, waren zunächst alle sehr erstaunt. Kein anderes Team hat die höchste Klasse der 24 Stunden Rennen so beherrscht, wie die Ingolstädter. Alleine 13 Siege konnte das Team mit den 4 Ringen seit der Jahrtausendwende einfahren. Der Rückzug von Audi hat dazu geführt, dass in den letzten beiden Jahren Toyota und Porsche um den Sieg bei dem prestigeträchtigen Rennen kämpften. Dieses Jahr hatte Toyota die Nase vorne.

Die Gründe für den Ausstieg von Audi sind vielfältig. In erster Linie wurde der Grund aufgeführt, ein Herstellerteam für die Formel E zu gründen. Dies gelang sehr erfolgreich, denn schon 2017 gewann der Fahrer Di Grassi den Titel in der Fahrerwertung. Zudem gewann das Team ABT Schaeffler Audi Sport Formula E Team 2018 die Konstrukteurswertung. Dieser Erfolg ist natürlich sehr gut für die Marke Audi. Besonders wegen der Krise des deutschen Automobilsektors in Folge der Abgasaffäre ist diese Presse für den Autobauer sehr wichtig.

Mit dem Umstieg in die Formel E folgt Audi einem Trend, den schon vor ihnen Renault und zur Saison 2018/19 Mercedes einlegen will. Das Engagement hin zu Rennserien mit Elektromotoren soll das Ziel der Automobilhersteller untermauern, in Zukunft mehr auf den Elektroantrieb zu setzen. Da die Formel E anfangs eher belächelt wurde und das Rennen in Autos, die eher leicht Summen als ein lautes Motorgeräusch zu machen, als unattraktiv galt, steigen nun erst, da sich das Image gewandelt hat, die großen Automobilhersteller in die Formel E ein.

Der stetig wachsende Zuspruch für die Formel E ist auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen. Zunächst haben Fans und Beobachter erkannt, dass auch das Rennen in Formel E Autos sehr anspruchsvoll für Fahrer und Rennwagen ist. Zudem führen die geringeren Geschwindigkeiten im Vergleich zur Königsklasse Formel 1 dazu, dass die Rennen nicht auf einer speziell designten Rennstrecke, sondern auch in der Innenstadt ausgetragen werden können. So wurden letzte Saison Rennen in Hongkong, Mexiko City, Rom, Paris, Berlin und New York ausgetragen. Die Durchführung von Rennen in der Innenstadt macht die Rennserie viel attraktiver, da man teilweise aus dem eigenen Appartement Formel E schauen kann und nicht mehrere Stunden zur Rennstrecke außerhalb der Stadt anfahren muss. Zudem finden im Laufe des Rennwochenendes viele attraktive Veranstaltungen statt, die nicht direkt etwas mit der Rennserie zu tun haben, allerdings trotzdem die Affinität der Zuschauer zur Formel E steigern.

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Für viele, besonders nicht so rennsportinteressierte Menschen hat die Formel E jetzt schon viel mehr Strahlkraft, als die Langstreckenweltmeisterschaften. Somit ist der Umstieg aus Marketinggründen durchaus erklärbar. Zwar trauern die Motorsportenthusiasten um die Spannung bei den noch immer sehr prestigeträchtigen 24 Stunden von Le Mans, allerdings war der Schritt von Audi Motorsport der Richtige zum perfekten Zeitpunkt.